Graudenz
Graudenz(Grudziądz) liegt im Zentrum Weichselpommerns (Pomorze Nadwiślańskie), zwischen den Ostseehäfen der Dreistadt Danzig-Zoppot-Gdingen (Gdańsk-Sopot-Gdynia - 110 km), Bromberg (Bydgoszcz - 70 km) und Thorn (Toruń - 60 km).
Namestag: Brunony, Sławomira, Wery
Dziś jest: Donnerstag, 17 Mai 2012r. Godzina: 14.14
Graudenz(Grudziądz) liegt im Zentrum Weichselpommerns (Pomorze Nadwiślańskie), zwischen den Ostseehäfen der Dreistadt Danzig-Zoppot-Gdingen (Gdańsk-Sopot-Gdynia - 110 km), Bromberg (Bydgoszcz - 70 km) und Thorn (Toruń - 60 km).
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Im Jahre 1991 feierte Graudenz (Grudziądz) den 700. Jahrestag der Verleihung der Stadtrechte, der die Einwohner und die Besucher der Feierlichkeiten an die jahrhundertelange Tradition des Gemeinwesens erinnerte.
Woher kommt der Name der Stadt?
Die Quellen sprechen von Grudenc, Grudencz, Grawdencz, Graudentum, Grudentz, Grudenz und Graudenz. Die Herkunft des Namens ist wissenschaftlich umstritten. Eine Meinung besagt, dass er auf dem Wort "grod" (Grenzburg) beruhe. Eine andere Auffassung lautet, dass er von der Bezeichnung der hier häufig vorkommenden klumpigen Erde abgeleitet sei. Wieder andere Stimmen lassen verlauten, dass der Name prussischer Herkunft sei, da der baltische Stamm der Prussen bis zur Weichsel vorgedrungen ist und sich dort niedergelassen hat.
Geschichte bis 1466
Die ältesten Quellen, in denen Graudenz (Grudziądz) erscheint, stammen aus der Herrschaftszeit der ersten Piasten. Sie beziehen sich auf die Missionsaktivitäten, die aus dem Kulmer Land (Ziemia Chełmińska) in das Land der Prussen durchgeführt wurden.
Im Jahre 1218 übergab der damalige Herrscher des Kulmer Landes, Herzog Konrad von Masowien, die Region einschließlich der Stadt Graudenz an Bischof Christian. Seither war das Kulmer Land Ausgangsbasis der Christianisierung Preußens. Die Schenkung wurde vom Papst bestätigt, der die christliche Welt damit zu Kreuzzügen gegen die heidnischen Prussen animierte. Der Papst berief Christian auch zum Missionsbischof von Preußen. Graudenz wurde zu einem seiner Sitze. In Anbetracht des Misserfolgs der bischöflichen Christianisierungsversuche wurde die Missionstätigkeit schließlich vom Deutschen Orden fortgesetzt. Zu diesem Zweck wurde der Orden nach Polen geholt und bekam das Kulmer Land verliehen.
Auf Grund dieses Ereignisses gelangte Graudenz unter die Herrschaft des Deutschen Ordens, die bis zum Zweiten Thorner Frieden, also bis zum Jahre 1466, dauerte. 1291 wurden Graudenz die Stadtrechte, die so genannte Kulmer Handfeste, verliehen. Im Zuge dieses Ereignisses wurde sofort eine doppelte Stadtmauer mit 10 Türmen und 4 Toren errichtet sowie ein Wassergraben angelegt. In den nächsten Jahren wurde die Stadt ausgebaut, die Burg, das Rathaus und die Sankt Nikolaus Kirche entstanden. Außerdem wurden das in Stein gemauerte Hospital für Kranke und Pilger mit der Heiliggeistkirche erbaut.
Von 1466 bis 1772
Im Jahre 1466 kehrte das Kulmer Land (Ziemia Chełmińska) mitsamt der Stadt Graudenz (Grudziądz) kraft des Zweiten Thorner Friedens zu Polen zurück. Wegen ihrer günstigen Lage im Zentrum Königlich Preußens wurde die Stadt nun Sitz des preußischen Landtages, der Ständetage und später auch der Generalversammlungen. Anlässlich eines Ständetags im Jahre 1522 hielt Nicolaus Copernicus hier seine berühmte Abhandlung über die Münze ("De aestimatione monetae"). Von 1526 bis 1772 wurden in Graudenz insgesamt 170 Generalversammlungen abgehalten.
Der langjährige Frieden trug wesentlich zur Entwicklung der Stadt bei. Handwerk und Handel florierten. Die zu dieser Zeit erbauten Speicher waren besonders für den Warenverkehr mit Danzig (Gdańsk), Elbing (Elbląg) und Thorn (Toruń) von großer Bedeutung.
Das 17. Jahrhundert ging in die Geschichtsbücher als eine Zeit der ständig von Polen geführten Kriege ein. Auch Graudenz blieb davon nicht verschont. 1629 waren hier während des Krieges gegen Schweden um Königlich Preußen deutsche Truppen stationiert. Vor der Stadt stand das Lager von Hetman Koniecpolski. Die so genannte „schwedische Sintflut“ (polnisch-schwedischer Krieg 1655-1663) ging auch an Graudenz nicht spurlos vorüber. Bereits zu Beginn der Kampfhandlungen wurde die Stadt von den Schweden eingenommen und blieb auf Jahre in ihrer Hand. In dieser Besatzungszeit hielt sich der schwedische König Gustav in Graudenz auf, um den Ausbau der Burgbefestigungen zu beaufsichtigen. Im Jahre 1659 eroberten polnische Truppen unter Jerzy Lubomirski die Stadt zurück, die allerdings bei der Belagerung fast vollständig abbrannte. Nur die Burg, die Pfarrkirche und einige Wohnhäuser blieben damals stehen.
Auch in den nächsten Jahren hatte es die Stadt nicht leicht, hauptsächlich aufgrund des längere Zeit tobenden Nordischen Krieges und landesweiter innerer Konflikte. Gleichwohl wird diese Phase von Wissenschaftlern als "Graudenzer Barock" bezeichnet, allein schon aufgrund der Entstehung vieler prachtvollen Objekte, zu denen unter anderem der Hauptaltar in der Sankt Nikolaus-Kirche, ein Seitenflügel des Benediktinerinnenklosters, das Palais der Äbtissinnen sowie die prächtige Ausstattung der Jesuitenkirche zählen.
Von 1772 bis 1945
Nach der Ersten Teilung Polens im Jahre 1772 wurde Graudenz (Grudziądz) dem preußischen Staat einverleibt. Aus dieser Zeit stammt die Festung, das historisch wohl wertvollste Bauwerk der Stadt. Sie wurde auf Befehl Friedrichs II. erbaut, der die militärische Macht in Preußen anstrebte und zu diesem Zweck beschloss, in Graudenz eine starke Garnison einzurichten. Die Hauptaufgabe der Festung bestand in der Verteidigung der Weichselübergänge. Zugleich sollte sie als Zeughaus dienen. Wie wertvoll diese Anlage war, stellte sich bereits anlässlich des napoleonischen Feldzugs heraus. Trotz der langen Belagerungszeit durch das französische Heer, das von polnischen Verbänden unterstützt wurde, hielt die Festung stand. Später diente sie als Gefängnis für politische Gefangene. Speziell nach der Niederschlagung des Novemberaufstands wurden viele Aufständische, die über Preußen nach Westeuropa fliehen wollten, in der Festung eingesperrt.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erlebte Graudenz einen ungeahnten wirtschaftlichen Aufschwung, der mit Investitionen im Bereich der Industrie zusammenhing. In dieser Zeit kam es auch zu einer rasanten Entwicklung der städtischen Infrastruktur. Damals entstanden unter anderem das Städtische Gaswerk, das Elektrizitätswerk, das Wasserwerk und die Kanalisation. Außerdem nahm die erste Straßenbahnlinie ihren Betrieb auf. Des Weiteren trugen die Einrichtung eines Eisenbahnknotens, der Bau einer festen Weichselbrücke, ein gut funktionierendes Handelswesen und ein starkes Handwerk sowie die Entstehung moderner Kreditanstalten zum Aufstieg der Stadt bei. Zwischen 1880 und 1905 verdoppelte sich die Zahl der Einwohner. Sie stieg von 17.321 auf 35.958 Personen an. Im Jahre 1900 erhielt Graudenz den Status einer kreisfreien Stadt und konnte sich dadurch noch dynamischer entwickeln.
Am 23. Januar 1920 wurde Graudenz nach fast 150 Jahren preußischer Oberherrschaft dem neu gegründeten polnischen Staat einverleibt. Dieses Datum leitete einen der glanzvollsten Zeitabschnitte in der Stadtgeschichte ein. Zwischen den beiden Weltkriegen galt Graudenz unangefochten als wirtschaftliches Zentrum Pommerns. Diese Rolle verdankte die Stadt im Wesentlichen ihrem starken Wirtschaftspotential sowie der Existenz wichtiger Einrichtungen wie der Pommerischen Finanzkammer oder der Pommerischen Industrie- und Handelskammer. Die vom ersten Präsidenten der neuen Republik Polen, Stanisław Wojciechowski, eröffnete „Erste Pommersche Landwirtschafts- und Industrieausstellung“ bot Graudenz 1925 eine hervorragende Möglichkeit, seine wirtschaftliche Leistungskraft zu präsentieren.
In dieser Zeit stieg Graudenz auch zu einem bedeutenden Kultur- und Bildungszentrum auf. Außerdem beherbergte die Stadt eine der größten Garnisonen in Polen. Das 64-te und das 65-te Infanterieregiment sowie das 16. leichte Artillerie-Regiment waren hier stationiert. Die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen bringt man jedoch vor allem mit der Kavallerie in Verbindung, da die Stadt das 18. Regiment der Pommerischen Ulanen sowie das berühmte Schulungszentrum der Kavallerie, das viele spätere Befehlshaber von Rang und Namen hervorbrachte, beherbergte. Darüber hinaus gab es in Graudenz noch andere militärische Ausbildungsstätten wie das Schulungszentrum für Feldjäger, eine Fliegerausbildungsstätte für Bordschützen und Bomberbesatzungen sowie eine Unteroffiziersschule mit Weiterbildungsmöglichkeiten für Infanteristen der Reserve.
Am 3. September 1939 zog die Deutsche Armee in Graudenz ein. Für die Stadt begann damit eine fast sechsjährige Besatzungszeit. 1945 war Graudenz schwer umkämpft und wurde zu über 60 % zerstört.
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